Die Straße von Hormus im Persischen Golf liegt zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran am Golf von Oman. Sie ist die wichtigste Seeverbindung der westlichen Welt für Öltransporte. Eine Blockade des Irans für diese strategisch bedeutsame Seeroute hätte erhebliche Auswirkungen auf die westliche Welt, insbesondere auch auf Europa.
Vom Öl abhängig
Große Teile der westlichen Industrie sind auf die fortwährende Versorgung mit Rohöl angewiesen. Insbesondere Europa ist dabei sehr stark von Importen abhängig. Allein 2005 wurden 82 Prozent des Erdölverbrauchs importiert. Im Jahr 2030 sollen dann bereits 93 Prozent des Erdöls importiert werden. Mit dieser steigenden Tendenz verschärft sich sogleich der Wettbewerb im internationalen Maßstab um Gas und Öl. Dieser Umstand wird durch eine Prognose der Internationalen Energieagentur – IEA – nochmals deutlich. Danach soll bis zum Jahr 2030 der weltweite Energiekonsum 60 Prozent höher als im Jahr 2002 liegen. Die treibenden Kräfte der steigenden Nachfrage sollen laut dieser Prognose vor allem Indien und China sein. Neben der Automobil- und Chemieindustrie sind es auch die Bereiche Transport und Logistik, die einen enormen Energiebedarf aufweisen. Darüber hinaus ist auch die Versorgung mit Strom und Heizung zum Teil auf Öl ausgerichtet. Jährlich steigt der Bedarf an Energie in der EU um ein bis zwei Prozent. Um diesem Trend entgegenzuwirken, besteht zum einen die Möglichkeit die Preise zu erhöhen. Dies ist jedoch nicht unbegrenzt möglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Einsatz effizienterer und energiesparender Technologien ist ebenfalls ein erfolgreicher Weg, um den steigenden Energieverbrauch zu bremsen. Vor diesem Hintergrund hat die Versorgungssicherheit Europas mit Energieressourcen höchste Priorität.
Ölembargo – ein Schreckgespenst
Wie bereits oben ausgeführt, ist Europa sehr stark von Ölimporten abhängig. Etwa zwanzig Prozent der weltweiten auf See transportierten Ölmenge passiert die Straße von Hormus. Der Iran droht mit einer Blockade dieses Seeweges, da die USA und Europa die Sanktionen gegen den Iran verschärfen wollen. Diese Sanktionen betreffen den Ölexport des Irans. Mit diesen Maßnahmen soll nachhaltig verhindert werden, dass der Iran Atomwaffen baut. Angeblich ist es für den Iran ein Leichtes, die Straße von Hormus zu blockieren. Diese Blockade hätte sicher langfristig verheerende Auswirkungen auf die Ölversorgung der Welt und damit auch auf Europa. Schon die Androhung einer Blockade lässt den Ölpreis an den ohnehin nervösen Märkten nach oben klettern. Weiterhin würde eine solche Blockade seitens des Iran auch die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung mit den USA oder sogar eines größeren Flächenbrandes deutlich erhöhen. Andererseits sind die Auswirkungen einer Seeblockade der Straße von Hormus zumindest kurzfristig nicht so gravierend wie viele annehmen. Denn die strategischen Ölreserven der 28 in der IEA zusammengeschlossenen Industriestaaten reichen für mindestens 90 Tage. Da aber nur etwa ein Fünftel aller Öltransporte durch die Straße von Hormus gehen, würden die Vorräte etwa 500 Tage reichen.
Die Straße von Hormus ist ein bedeutsamer Seeweg für den Transport von Rohöl. Durch die Blockade dieses Seeweges würde die Versorgung der westlichen Welt und damit auch Europas mit diesem wichtigen Rohstoff erheblich eingeschränkt werden. Durch große strategische Energiereserven der Industriestaaten würden die fatalen Folgen jedoch erst später zum Tragen kommen.
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